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This article was written on 08 Aug 2013, and is filled under Allgemein.

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Unser Konzept einer Tiefenpsychologie

Die Analytische Intensivberatung 

Unser Konzept einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie ist aus umfangreichen Arbeiten auf dem Gebiet der Wirkungsforschung (Alltag, Literatur, Film), insbesondere aber aus der Analyse der Wirkung von bildender Kunst hervorgegangen, die in mehr als 30 Jahren am psychologischen Lehrstuhl II der Universität zu Köln von Prof. Wilhelm Salber entwickelt und als „Analytische Intensivberatung“ konzipiert wurde. Sie macht es sich zur Aufgabe, seelische Störungen in einen intensivierten Behandlungsgang in Entwicklung zu bringen.

Ausgangspunkt sind Selbstbehandlungsformen, die sich unter der Belastung von Entwicklungsaufgaben auf Lebensbilder eingegrenzt haben, die aufwendige und schmerzhafte Wendungen der Entwicklung abwenden sollen. Dadurch entsteht eine Teilung der Lebenswirklichkeit in ein vertrautes Hauptbild, das es gilt aufrechtzuerhalten, und in ein eher bedrohliches Gegenbild, dessen Realisierung zu verhindern ist. Bei der Behandlung geht es darum,  in einem überschaubaren Zeitraum unbewusste Festlegungen  bewusst zu machen und damit Voraussetzungen für eine Aussöhnung mit abgewehrten, bedrohlichen Seiten zu schaffen.

Unser Behandlungskonzept versteht sich als eine konfliktfokussierte Strukturbehandlung und dieses Selbstverständnis ist die Grundlage dafür, dass eine Intensivierung der Behandlung hergestellt werden kann.  Seelische Störungen werden als Produktionen gesehen, die sowohl Problem, verkehrte Lösungsversuche und Entwicklungschancen in sich tragen. Hiermit wird der Blick weg von einer langen Erforschung der Vergangenheit und hin auf die Analyse eines aktuell funktionierenden Ganzen gelenkt. Die Methode, in aufeinanderfolgenden Schritten von der Beschreibung zur kompletten Rekonstruktion einer seelischen Störung zu kommen, erlaubt es von einer Strukturbehandlung zu sprechen, die mit weniger Zeit auskommt als die klassische Psychoanalyse.

Das Bemühen um Verkürzung von Behandlungsprozessen darf nicht mit dem Trend der zeitgenössischen Kultur verwechselt werden, Lebensprozesse immer mehr zu beschleunigen und schmerzfreier zu gestalten. Als Strukturbehandlung stellt sich die tiefenpsychologisch fundierte Behandlung  den unvermeidbaren Konflikten, Aufgaben und Paradoxien des Lebens in der gegebenen Wirklichkeit. Mit dem auf die Analyse von vollständigen Lebensbildern zentrierten Ansatz setzt sie tief greifende Veränderungen in Gang, die das unvermeidbare Leiden in einer immer komplexeren Welt in ein beweglicheres Leiden-Können verwandelt. Die Kunst (Bilder, Märchen, Filme) sind ihr hierfür ein methodischer Bezugspunkt.

Beziehungsanalyse und Szenisches Verstehen

Ausgangspunkt der relationalen Psychoanalyse/ Beziehungsanalyse, vertreten durch Thea Bauriedl und Jessica Benjamin,  ist die Auffassung, dass unsere Lebenswirklichkeit von einem „In-Beziehung-Sein“ bestimmt wird, insofern wir, um existieren zu können, von Anfang an und fortwährend aufgefordert sind, mit der Welt in Beziehung zu treten und diese zu gestalten. Unter Hinzunahme von Hermann Argelanders „Szenischem Verstehen“ entsteht so ein Ansatz, der das Beziehungsgeschehen als eine eigene Lebenswirklichkeit betrachtet, die sich szenisch gestaltet. Damit sind Wirkungseinheiten verfügbar,  die der Behandlung ermöglichen, auf eine spezifische Beziehungsgestalt hin das Geschehen zwischen den Menschen zu erfassen. Jessica Benjamin nennt dies das Dritte, was über die einzelnen Personen hinausgeht, was sich zwischen diesen zu bilden sucht und damit die Produktionsbedingung für jede Beziehung ist.

Die Behandlung versucht über das szenische Verstehen dieser Beziehungsgestalten,  den spezifischen Platz des Einzelnen in einem szenisch organisierten Familiengefüge zu erfassen. Dieser ist bestimmt von Lebenswünschen und Ängsten des Einzelnen, z.B. vor Verschlungen oder Ausgestoßen-Werden.

Neurotische Entwicklungen sind bestrebt, im Hinblick von Wünschen und Ängsten maßgeblicher Bezugspersonen stets alles richtig zu machen, und begeben sich damit in ein „Missbrauchsszenario“.  Die Behandlung sucht mit dem Patienten Wege, sich zu emanzipieren und eine Abstinenz (wieder) herzustellen, um eigenverantwortlich entscheiden zu können, anstatt sich von den Bedürfnissen und Wünschen des Anderen bestimmen zu lassen.

Kunst und Psychologie können einander verständlich machen, weil sich seelische Vorgänge als Gerüst von Kunstwerken und Kunst als Wesenszug des Seelischen erweisen. Die Erforschung von Kunst und Seelischem deckt Wirklichkeitsstrukturen auf, die mit Verwandlung und Austausch zu tun haben. Bei der Analyse ihrer Werke rücken neue, unvertraute Kategorien der Wirklichkeit in den Blick; sie erklären, wieso Kunst eine Schlüsselposition im Umgang mit der Welt einnimmt: Sie stellt den Übergang von Materialem und Werk von Banalem und Konstruktion, von Wirklichkeiten und Wirksamkeiten dar – sie erschließt dabei, nicht zuletzt, Grundzüge psychologischer Behandlung. Wilhelm Salber, aus „Kunst – Psychologie – Behandlung“


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